Newsletter der Aktion Hummelschutz 04/04

Inhalt


Lieber Hummelfreund,

hier die aktuelle Ausgabe des Newsletters. Kommentare und Ergänzungen zum Newsletter sind wie immer erwünscht und können über die Homepage an mich geschickt oder im Forum abgegeben werden.

Mit freundlichen Grüßen,
van Bebber

 Inhalt

  1. Aktuelle Änderungen auf der Homepage
  2. Nachrichten
  3. Links | Presse | Literatur
  4. Impressum

 

1. Aktuelle Änderungen auf der Homepage

1.1. Rückblick auf die Hummelsaison
Das Tagebuch des "Aktion Hummelschutz"-Mitglieds Johann Wiedl ist abgeschlossen, die Hummelstaaten abgestorben. Kein Volk wurde von Wachsmotten befallen. Wie er das schaffte und sein Fazit lesen Sie in der Rubrik Fakten > Erfahrungsberichte.

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2. Nachrichten

2.1. Bauernverband drückt lasche Verordnung durch
Verbesserungen für Insekten werden verhindert

Alexander Müller Der Grüne Graefe zu Baringdorf Bauernpräsident Sonnleitner Renate Künast

Vier Akteure im Kampf um die ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft: Staatssekretär Alexander Müller (Grüne), der EU-Abgeordnete Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf (Grüne), Bauernpräsident Sonnleitner und die Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne).

Ihren Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium Alexander Müller haben die Landwirte nicht ins Herz geschlossen. Der Mann, offensichtlich kreativ, hatte Mitte September die deutsche Sprache mit einem neuen Wort bereichert. Die Landwirte seien "Sofa-Mulcher". Damit meinte er Bauern, die den natürlichen Aufwuchs auf stillgelegten Äckern nach Gutdünken mähen und das Mähgut einfach dort liegen lassen (=mulchen). Für die stillgelegten Flächen erhalten die Landwirte dann EU-Subventionen, und diese auch nicht zu knapp, obwohl die beschriebene Mulchweise den Landwirten kaum Arbeit macht, so dass sie "damit fürs Nichtstun und auf dem Sofa Sitzen noch Geld kassieren" [1]. Nach Angaben des EU-Abgeordneten Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf (Grüne) kostet den Bauern das Mulchen etwa 30 Euro pro Hektar. Er erhält aber zum Ende der Agrarreform Subventionen von stolzen 300 Euro [2, 8].

Grund für den Zorn des grünen Staatssekretärs ist der Umgang des Deutschen Bauernverbands unter ihrem Präsidenten Sonnleitner ("Mulchen ist auch Aufwand für den Bauern!") mit dem schon im letzten Newsletter 03/04 angegebenen Verordnungsentwurf des Verbraucherschutzministeriums von Renate Künast. Der sah zum Beispiel vor, die Subventionen nur noch dann zu bewilligen, wenn die stillgelegten Flächen unter bestimmten ökologischen Kriterien bearbeitet werden, - was sicherlich viele naturverbundene Bauern gemacht hätten.

Zu den ökologischen Kriterien gehörte es, insektenfreundliches Saatgut auf den stillgelegten Flächen ausbringen zu müssen. Davon hätten viele Insektenarten und sicher auch die Hummeln profitiert [3], das Sofa-Mulchen wäre unattraktiver geworden.

Leider sollten diese Pflanzen einmal im Jahr, noch dazu in einer sensiblen Zeit (Sommer, mitten in der Trachtlücke) abgemäht werden. Die Aktion Hummelschutz wehrte sich gegen den Zeitpunkt der Mahd und forderte Renate Künast auf, den Zeitpunkt auf den Herbst zu verschieben oder die Mahd ganz auszusetzen. Viele Hummelfreunde schickten nach einer kurzfristigen Information bis Ende August einen vorbereiteten Brief an Frau Künast. Andere kamen auf die Idee, mit einem ähnlichen Brief die Ministerpräsidenten der Länder zu informieren, da diese schließlich im Bundesrat über die Verordnung abstimmen mussten [4]. Für diesen Einsatz möchte ich mich ganz herzlich bedanken!

Ministerbrief

Brief aus dem Ministerium von Frau Künast (Textwiedergabe)

Dementsprechend erreichte mich eine Antwort [5] aus dem Ministerium, in der mir Dr. Steffen Beerbaum vom zuständigen Referat die Notwendigkeit einer Mahd erklärte (Verhinderung der Verbuschung), sich aber gesprächsbereit bzgl. des Mahdtermins zeigte, sofern die Länder dies forderten. Auch die Antwort beispielsweise von Bayern war ähnlich und durchaus positiv, so dass ich zuversichtlich die Serienbriefaktion beendete und Anfang des Monats die Ausschussberatungen des Bundesrats begannen.

Und nun wurde der Bauernverband aktiv. Denn durch diese Lobbyarbeit kam es zu entscheidenden Veränderungen im Entwurf. Die Landwirte rannten offene Türen bei Ausschussmitgliedern, offenbar vorallem aus Bayern, Sachsen und Niedersachsen ein. Als die Änderungen [6] bekannt wurden, entfuhr dem oben genannten Staatssekretär Müller das Wort vom "Sofa-Mulcher".

Den Landwirten wird demnach nicht mehr vorgeschrieben, für Hummeln und andere Insekten interessante Blühpflanzen auszubringen. Die bisherige Vorgehensweise im Umgang mit stillgelegten Flächen, wie ich sie oben beschrieben hatte (Sofa-Mulchen), reicht aus. Während es vorher hieß "[Stillgelegte Flächen] ... hat der Betriebsinhaber mit einer Saatgutmischung, die mindestens drei Arten insektenbestäubter mehrjähriger Blütenpflanzen enthält, zu begrünen." heißt es nun: "... ist der Selbstbegrünung zu überlassen oder durch eine gezielte Ansaat zu begrünen." Auch die Verpflichtung, nach drei Jahren eine Neuansaat oder Nachsaat zur Erhaltung der Artenvielfalt durchzuführen, wurde ersatzlos gestrichen.

Am 24.09. fand die entscheidende Bundesratssitzung statt. Unter dem Punkt 79 der Tagesordnung wurde über die Verordnung entschieden [7].
Die o.g., aus Sicht des Hummelschutzes negativen Änderungswünsche wurden im Bundesrat leider alle angenommen.

Wie mir das Bundesrats-Sekretariat mitteilte, ist es nicht üblich, das Abstimmungsverhalten der Länder festzuhalten. Dadurch lässt sich nicht mehr ermitteln, welche Länder diese Fassung unterstützt haben, auch wenn eine Beteiligung der CDU/CSU sicher ist - sie haben die Mehrheit im Bundesrat.
Mit der Abstimmung verschafften die Politiker den Landwirten eine zusätzliche und - wie die Rechnung oben zeigt - meiner Ansicht nach eine nicht nachvollziehbare Einnahmequelle.

Der Bauernverband jubelte. Noch am gleichen Tag verschickte er zwei Pressemitteilungen. In der einen lobte er sich und die geänderte Verordnung als ökologisch, in der anderen schimpfte er vorsorglich über die angeblich ungerechtfertigte Kritik der Umweltverbände.
Diskussion im Forum

Weiterführende Links / Quellen:
[1] Mitteldeutsche Zeitung, mz-web.de, 19.09.2004
[2] Süddeutsche Zeitung, 25.09.2004
[3] Ursprüngliche Fassung des Verordnungsentwurfs von Frau Künast
[4] Serienbrief der Aktion Hummelschutz
[5] Wortlaut des Ministeriumsbrief
[6] Änderungswünsche des Bundesratsausschuss
[7] Endgültige Verordnung
[8] Frankfurter Rundschau online: Streit über Agrar-Prämien, 20.09.2004

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3. Links | Presse | Literatur

Nistkasten aus dem Internet
Eine Firma preist auf ihrer englischsprachigen Homepage einen Hummelnistkasten an.

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4. Impressum
Kontakt: über die Homepage
Bitte beachten Sie den Disclaimer.
Dieser Newsletter hat 708 Abonnenten (Stand: 02.09.2004) und wird nur auf Verlangen zugeschickt. Sie können ihn jederzeit abbestellen.
V.i.S.d.P.:
Cornel van Bebber
Meertal 11
D-41464 Neuss

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